„Karriere machen wollen“ - warum wir oft Probleme mit dieser Äusserung haben!

Nun gibt es leserseitig hauptsächlich zwei Arten der Reaktion auf diese Überschrift:  „Verstehe ich nicht -  ich habe damit kein Problem. “ Dann Glückwunsch, und das meine ich ganz ehrlich.

Bei der anderen Art der Reaktion handelt es sich meist um eine von „Ach, ich brauche keine Karriere, das ist nicht alles im Leben.“ , „Karriere – ja, das wäre ok, aber ich muss das nicht haben!” bis hin zu Aussagen wie „Karriere machen wollen – ne, SOO EINE will ich nicht sein“.

Nicht so schlecht wie sein Ruf

Das Wort Karriere löst bei uns oft sehr gemischte Gefühle aus. Ich spreche nicht davon, dass das Wort Karriere den Stellenwert eines Schimpfwortes erhalten hat, sondern dass sich unsere Assoziation mit dem Wort Karriere im Laufe der Jahre verändert hat.                                                                                                       Auch im Großteil der Vorstellungsgespräche, die ich in den letzten 10 Jahren führte oder begleitete, konnte ich immer wieder feststellen, dass sehr direkte Fragen zu klaren Karriereabsichten bei Kandidaten oft Unbehagen auslösen. Ein Unbehagen, das zumeist die mit dem Wort verbundene gesellschaftliche Bedeutung  in uns auslöst.Überlegen wir einmal selbst: Unser Schubladendenken setzt leider oft von selbst ein, wenn wir uns zum Beispiel mit Bekannten oder Kollegen unterhalten, die uns mitteilen: Ja, ich liebe meine Karriere! Oder wenn die neue Kollegin uns sagt, dass sie auch Karriere machen will. Es bereitet uns Unbehagen, weil wir das Wort mit Ellenbogen-Mentalität, Stress, keinem Privatleben oder sogar Frustration verbinden. Oder weil wir uns auch meist selbst mit dem Begriff „Karriere machen“ nicht in Verbindung bringen, speziell wenn wir beruflich ohne Führungsverantwortung tätig sind,  kein monatliches Gehalt haben, das uns 6 Urlaube im Jahr garantiert, oder keine wild klingende englische Positionsbezeichnung für unseren Job vorweisen können.  Schenken wir dem Wort zu viel Bedeutung? Ich finde nicht, aber wir schenken ihm eine inzwischen vollkommen falsche Bedeutung.

Berufliche Wege, die Schritt für Schritt zum eigenen Ziel führen

Karriere - um was geht es denn hier wirklich?

Karriere, Wort Herkunft: französisch carrière = Rennbahn, Laufbahn, zu spätlateinisch (via) carraria = Fahrweg, zu lateinisch carrus, Karre.

Und wenn wir das jetzt lesen, sehen wir all dann nicht plötzlich fast bildlich vor uns: einen Weg, eine Laufbahn, ob Rennbahn mit Pferden oder einen Weg, den wie zu Fuß zurücklegen...einen sehr langen Weg sehen manche von uns wahrscheinlich gerade :)  Rennbahn, Fahrweg oder Laufbahn...sie alle haben Einiges gemeinsam: ich habe ein Ziel am Ende des Weges. Und auch wenn ich vielleicht nicht den ganzen Weg kenne, so weiß ich, dass ich an meinen Zielen ankommen werde, wenn ich mich einfach Stück für Stück konstant voran bewege. Karriere sollte also bedeuten "meine persönliche berufliche Laufbahn oder meinen Fahrweg" - es bedeutet auch, dass JEDER Karriere machen kann und auch, dass Karriere machen die persönlichen Teile unseres Lebens wie Familie, Freizeit, Freude etc. beinhaltet.

Jetzt denkt ihr: Karriere gleich Karriereleiter...ein klares JEIN! :) 

Ja, es ist eine Entwicklung in Richtung unseres Ziels, an der wir arbeiten. Aber ich persönlich sehe hier nicht eine schmale Leiter, die wir mit viel Anstrengung erklimmen müssen, während wir versuchen, nicht herunterzufallen, um dann immer mehr Führung, mehr Verantwortung, noch mehr Arbeit, mehr Geld oder einfach Mehr zu haben, sondern die persönliche, stetige Entwicklung der eigenen Persönlichkeit nach oben.

Nach oben bedeutet für mich: Selbst gesteckte, berufliche Ziele zu erreichen, durch eigene Begeisterung Dinge zu (er)schaffen, die man sich nicht zugetraut hatte, Laufbahnen zu beschreiten und sich dabei als Mensch und oft so als Mitarbeiter zu entwickeln.Wenn Ihr also das nächste Mal jemanden sagen hört, dass er/sie an eine Karriere plant oder im Bekanntenkreis das Thema Karriere aufkommt, dann erinnert Euch kurz daran, was es wirklich bedeutet, Karriere zu machen und, dass es hier um etwas weitaus besseres geht, als no-work-life-ballance und Ellenbogen.

...und wer jetzt denkt, das ist ja nett geschrieben, aber idealerweise bräuchten wir einen neuen Begriff,  dann Ja - ich gebe Dir vollkommen recht! Ideal wäre es, wenn wir einfach ein neues Wort kreieren könnten, dass weniger behaftet ist (auch würde dies dann sicherlich zu einer neuen, spannenden Berufsbezeichnung für mich führen :) ) Aber das mit der schnellen Neuerschaffung von offiziellen Wörtern der deutschen Sprache ist nicht ganz so einfach...und muss auch nicht sein!

Vielleicht ist uns ja auch schon sehr geholfen, wenn wir uns daran erinnern, was Karriere wirklich bedeutet, und dass wir mit viel Freude und auch sogar ganz ohne Stress diese Karriere-Wege gehen können, auch wenn es uns selbst manchmal nicht bewusst ist.